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Polis: Pilger (Review)
| Artist: | Polis |
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| Album: | Pilger |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Progressive Rock, Weltmusik |
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| Label: | Sireena Records | |
| Spieldauer: | 44:56 | |
| Erschienen: | 22.05.2026 | |
| Website: | [Link] |
„Diese Musik will mehr. Sie will alles. Sie verlangt Umwälzung. Sie ist keine Kulisse, keine Untermalung. Sie polarisiert: sie verstört – oder berührt.“ (So sieht es die Promo-Abteilung von Sireena Records. Und sie liegt gar nicht mal falsch damit.)
POLIS sind schon längst eine kleine Sensation auf dem deutschen Markt des Progressive Rock, die es tatsächlich vollbringen, die progressiven Artrock-Klangwelten der östlichen Hemisphäre mit denen des Romantik-Prog der westlichen zu vereinen.
Die Band aus dem beschaulichen sächsischen Plauen fusioniert so auf höchstem Niveau Musik, die an die STERN-COMBO MEISSEN und LIFT erinnert mit der, die sich an NOVALIS und HOELDERLIN orientiert, wobei sie mit ihren deutschsprachigen, deutlich an der Romantik orientierten Texten (allesamt im wunderschön gestalteten 12-seitigen Booklet im Inneren des dreiflügeligen Digipaks zu entdecken) noch eine regelrecht literaturklassische Komponente mit hinzufügen.
Oh ja, egal ob es nun „Der Kreis“, „Der Berg“ oder der Titelsong ist – die deutschen Lyrics könnte man nur zu gerne neben den Texten der Lyriker besprechen, nach denen sich die beiden westdeutschen Bands bereits benannten: „Das Lied war einst ein Totenbrauch / Doch gilt es nun dem Leben auch / Was einst in kühne Blüte stand / Und später kühle Ruhe fand / Glitt gestern aus des Schlafes Fang / Es sehnte sich nach Licht so lang“ („Reprise“). Hier hört man doch tatsächlich schon die Schmetterlinge und ihr Lachen heraus.
Auch „Die Einsamkeit“ wurde nun endlich als Studio-Version verewigt, nachdem der Song bereits in den Konzerten erprobt und sogar auf das Live-Album „Unterwegs“ (2023) gebannt worden war.
Nunmehr aber verpassen sich POLIS höchstselbst eine Musik-Schublade, die sie ein wenig von ihren beiden vorherigen Alben abweichen lässt: 'Neue Deutsche Romantik'! Bitte auf keinen Fall mit der 'Neuen Deutschen Welle' verwechseln. Stattdessen kehren POLIS tatsächlich in die musik-lyrische Romantik einer Band wie NOVALIS zurück und holen deren Frühwerk – beispielsweise mit Hammond-Orgel, Moog-Synthesizer, akustischem Instrumentarium und viel Poesie – mitten hinein in die Gegenwart des Jahres 2026.
Ungewöhnlich ist hierbei „Das erste Leuchtfeuer“. DEEP PURPLE-Einflüsse, besonders an der Orgel, verblüffen durchaus. Denn solche JON LORD-Parallelen konnte man bisher bei POLIS noch nicht ziehen. Eine weitere starke Seite ihres Keyboarders Marius Leicht, der es sich im Gegensatz zu seinem Nachnamen bei seinen komplexen Keyboard-Ausflügen nie leicht macht, dafür aber einen erheblichen Anteil an „Pilger“ hat.
POLIS werden so getreu des Albumtitels die Musik-Pilger zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wobei sie zuvor den ewig heraufbeschworenen „Weltenwinter“ (in dieser Ballade trifft eine akustische Gitarre auf durch das Mellotron erzeugte Streicher-Passagen) hinter sich lassen: „Er [der Zorn – T.K.] entstellt gar Lächeln und wahres Wesen wird gezeigt / Sieh gut hin, denn auch der Friede ist in sich drin zum Krieg geneigt“.
Worte, die es in sich haben und die den alten wie neuen Romantiker aufzeigen, der sogar mit ganzer „Weltenwinter“-Brutalität zu der Erkenntnis führt: „Hier soll es nun enden, hier soll es gedeih'n / Wo Kinder in Liebe die Freiheit verschwenden / Mit Blumen die Mauern und Grenzen schänden / Der sterbenden alten Zukunft verzeih'n“.
Hoffen wir einfach, dass die musikalische Zukunft einer Band wie POLIS gehört! So eigenständig und ungewöhnlich sie auch klingen und so schwer ihre Texte auch zu verstehen sein mögen – sie zwingen einen tatsächlich dazu, ganz genau hinzuhören. Wer sich die Zeit und Muße für „Pilger“ nimmt, wird mit viel Romantik der Extraklasse belohnt, die allerdings vordergründig auf die prog-romantische Vergangenheit setzt.
FAZIT: Sireena Records lässt uns zu „Pilger“ von POLIS wissen: „Der Morgen einer neuen Kulturepoche bricht an. POLIS erwecken mit ihrem neuen Album 'Pilger' einen hehren Geist zu neuem Leben.“ Dieses Leben hinter dem sehr gut produzierten „Pilger“ nennen die Prog-Romantiker aus Sachsen selber 'Neue Deutsche Romantik' und knüpfen damit einerseits an die West-NOVALIS und andererseits an die Ost-Klassikrocker der STERN-COMBO MEISSEN an, um so mit hohem Wiedererkennungswert ein ganz eigenständiges POLIS-Werk aus Vergangenheit und Gegenwart im romantischen Sprachduktus zu erschaffen. Diese Pilger-Reise lohnt sich!
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Der Kreis
- Der Berg
- Die Einsamkeit
- Das erste Leuchtfeuer
- Weltenwinter
- Pilger
- Reprise
- Bass - Andreas Sittig
- Gesang - Christian Roscher, Christoph Kästner, Marius Leicht, Andreas Sittig, Sascha Bormann
- Gitarre - Christoph Kästner
- Keys - Marius Leicht
- Schlagzeug - Sascha Bormann
- Sonstige - Sophia Rasche, Floortje Beljon (Geigen), Marie Schutrak (Bratsche), Franziska Ludwig (Cello), Carl Christian Wittig (Kontrabass), Lydia Groth, Vanessa Röger, Lucia Wilczek (weitere Stimmen „Der Berg“), Marius Leicht (Streicher- und Satzgesang-Arrangements)
- Weltklang (2020) - 13/15 Punkten
- Unterwegs I (2023)
- Pilger (2026) - 12/15 Punkten
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